Studien + Facts


September 2006/ Nr. 38

 

Lithium kann psychische Befindlichkeitsstörungen verbessern

Vor kurzem ist in Toronto ein neues Buch von Abraham Hoffer und Jonathan Prousky erschienen mit dem Titel „Naturopathic Nutrition“ *). Abraham Hoffer ist einer der Pioniere auf dem Gebiet der Mikronährstoffbehandlung bei psychiatrischen Erkrankungen. Entsprechend findet man auch in diesem Buch viele Hinweise für eine orthomolekulare Therapie psychischer Störungen

Lithium kann psychische Befindlichkeitsstörungen verbessern. Das beschreibt Abraham Hoffer eindrucksvoll in seinem neuen Buch.  Er empfiehlt bei leichteren Stimmungsschwankungen, es mit 5 mg Lithiumaspartat oder Lithiumorotat pro Tag zu versuchen.

Lithium ist eine wirksame Substanz zur Rezidivprophylaxe von bipolaren affektiven Störungen, allerdings ist dazu ein Plasmaspiegel von 0,4 bis 1,0 mmol/ l erforderlich. Lithium kommt auch im menschlichen Organismus und im Blutplasma vor, wobei nach wie vor eine Essentialität von Lithium nicht bewiesen ist.

Es gibt keine definierten Lithiummangelsymptome beim Menschen. Allerdings liegen einige Studien über den Zusammenhang zwischen einer geringen Lithiumzufuhr und psychischen Auffälligkeiten beim Menschen vor: Frühere Studien von Dawson und Mitarbeitern beschrieben erstmalig einen potentiellen Zusammenhang zwischen einer geringen Lithiumzufuhr und Verhaltensstörungen bzw. erhöhter Aggressivität bei Menschen (Dawson et al 1970; 1972). Dabei zeigte sich ein signifikant diverser Zusammenhang zwischen der Anzahl von Gewalt­verbrechen oder Klinikeinweisun­gen aufgrund psychischer Störungen und der Höhe des Lithiumgehalts des Trinkwassers. Außerdem korrelierten die Lithiumkonzentrationen im Harn negativ mit dem Auftreten einer Schizophrenie. In einer ähnlichen US-amerikanischen Studie korrelierte ein niedriger Lithiumgehalt des Trinkwassers sowohl mit der Inzidenz verschiedener Verbrechen als auch mit Suizid. Bemerkenswert ist auch eine placebokontrollierte Studie mit ehemaligen Drogenabhängigen, bei denen über vier Wochen täglich 400 µg Lithium supplementiert wurde. Diese Menge entspricht etwa einer natürlichen diätetischen Zufuhr. Dabei waren in der Lithiumgruppe deutliche Verbesserungen der Stimmungslage zu erkennen, hingegen Versuchspersonen, die das Placebopräparat einnahmen, keine eindeutigen Veränderungen aufwiesen (Schrauzer und de Vroey, 1994).

Der stimmungsverbessernde Effekt von Lithium könnte mit einer erhöhten Aktivität der Monoaminooxidase zusammenhängen, die bei einem Lithiummangel vermindert ist. Es zeigte sich auch, dass Lithium den Transport von Folsäure und Vitamin B12 in die Zellen verbessern kann. Dies könnte auch den beobachteten Lithiumeffekt erklären, da Vitamin B12 und Folsäure in erheblichem Umfang die psychische Befindlichkeit beeinflussen können.  Aus diesem Grunde dürfte eine Supplementierung von Lithium zusammen mit B12 und Folsäure noch effektiver sein als eine Monotherapie mit Lithium, B12 oder Folsäure.

Kommentar
Besonders bei Patienten mit nachgewiesenen niedrigen Lithium-Serumspiegeln sollte an eine niedrigdosierte Lithiumsupplementierung gedacht werden als sinnvolle therapeutische Maßnahme zur psychovegetativen Stabilisierung  des Patienten