Anämie und Mikronährstoffe - neue Studien

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation liegt eine Anämie vor, wenn bei Männern eine Hämoglobinkonzentration von 13 g/dl und bei Frauen von 12 g/dl unterschritten wird. In bis zu 80 Prozent der Fälle ist Eisenmangel die Ursache für das Auftreten einer Anämie. Auch eine unzureichende Versorgung mit anderen Mikronährstoffen kann die Hämoglobinsynthese beeinträchtigen und zur Entwicklung einer Anämie beitragen. Dazu einige Studien neueren Datums.
Magnesiummangel und Anämie
Bei 3.883 Teilnehmern von NHANES älteren Lebensalters wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der Magnesiumversorgung und dem Auftreten einer Anämie untersucht. Höhere Scores eines Magnesiummangels waren mit einer höheren Prävalenz von Anämie assoziiert. Die Studie lässt die Vermutung zu, dass eine Verbesserung der Magnesiumverfügbarkeit ein Faktor ist zur Vermeidung einer Anämie bei älteren Menschen.
Selen und Anämie durch Pestizide
Die Auswertung der Daten von 14.447 Teilnehmern von NHANES hat ergeben, dass eine Exposition gegenüber Pestiziden im Haushalt das Auftreten einer Anämie mäßig erhöhen kann. Die Entstehung einer Anämie wurde begünstigt durch eine niedrige Selenzufuhr. Eine höhere Selen-Aufnahme erwies sich diesbezüglich als Schutzfaktor.
Vitamin A-Mangel beeinflusst Eisenstoffwechsel und Anämie
Aus einem Fachartikel amerikanischer Wissenschaftler geht hervor, dass ein Vitamin A-Mangel, unabhängig von Entzündungen oder Infektionen, direkt den Hepcidinspiegel erhöhen kann. Ein erhöhter Hepcidinspiegel bewirkt wiederum eine Verminderung der Eisenkonzentration im Blut, reduziert die Erythropoetin-Freisetzung, führt zu einer verminderten Bildung roter Blutkörperchen und reduziert die Hämoglobinbildung.
Eisen und Vitamin A-Mangel
Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern haben 2025 publiziert, dass ein Eisen- und Vitamin-A-Mangel konsistent mit Anämie bei Schulkindern und Jugendlichen assoziiert waren.
In die Studie wurden 54.534 Kinder aus 17 Untersuchungen und 16 Ländern einbezogen.
Vitamin D und Anämie
Wissenschaftler aus Brasilien, Portugal und Saudi-Arabien haben publiziert, dass eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung die Wahrscheinlichkeit für Anämie bei älteren Personen erhöht. Aus diesem Grund sollten zur Prävention und Behandlung der Anämie auch die Vitamin-D-Spiegel im Serum Beachtung finden.
Anämie während der Schwangerschaft und Vitamin B2
Wissenschaftler aus Großbritannien beschäftigten sich in einem Fachartikel mit der möglichen Bedeutung von Vitamin B2 für die Entstehung einer Anämie während der Schwangerschaft. Eine begrenzte Anzahl von Studien in wohlhabenden Ländern hat gezeigt, dass ein suboptimaler Vitamin-B2-Status zu einem erhöhten Risiko für Anämie beitragen kann. Randomisierte kontrollierte Studien bei schwangeren Frauen von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben einen günstigen Effekt von Vitamin B2 auf den hämatologischen Status und Anämie gezeigt. Zur Bildung roter Blutkörperchen werden Vitamin-B2-Cofaktoren benötigt für die Freisetzung von Eisen aus dem Eisen-Speicherprotein Ferritin.
Vitamin B1 und Anämie
Bei Krankenhaus-Patienten in einer ländlichen Region Japans wurde nachgewiesen, dass eine Anämie signifikant mit einem Vitamin B1-Mangel assoziiert war. Aus diesem Grund sollten Ärzte auch die Möglichkeit eines Vitamin-B1-Mangels bei Patienten mit Anämie in Betracht ziehen.
Einfluss verschiedener Mikronährstoffe auf den Hämoglobinspiegel
Bei 7.570 Männern und 8.314 Frauen in China wurden verschiedene Mikronährstoffe und die Prävalenz einer Anämie untersucht. Dabei zeigte sich, dass eine höhere Vitamin-B1- und Selenzufuhr signifikant mit einem verminderten Risiko für Anämie bei Frauen assoziiert waren.
Helicobacter pylori-Infektionen und Anämie
Polnische Wissenschaftler publizierten 2026, dass eine Infektion mit Helicobacter pylori die Absorption von Nichthämeisen und die Konzentration von Vitamin C im Magensaft reduziert. Da Vitamin C die Bioverfügbarkeit von Eisenionen verbessern kann, können verminderte Konzentrationen des Vitamins die Eisenaufnahme weiter limitieren. Ein Anstieg des pH-Werts des Magensafts vermindert auch die Freisetzung von Vitamin B12 aus Nahrungsproteinen und führt zu Störungen bei seiner Absorption.
Eisenmangel-Anämie und Spurenelemente
Ein Fachartikel iranische Wissenschaftler beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen den Konzentrationen verschiedener Spurenelemente und einer Eisenmangelanämie bei Kindern und Jugendlichen. Eisen ist hierbei das wichtigste Spurenelement und ist ganz überwiegend der Hauptgrund für eine Anämie. Kupfer spielt eine Schlüsselrolle im Prozess der Aufnahme und der Verstoffwechselung von Eisen und beeinflusst auch die Funktion kupferabhängiger Enzyme wie Ceruloplasmin. Ein Zinkmangel führt zu einer Anämie durch Blockade der Bildung roter Blutkörperchen und durch Beeinflussung der Hämoglobinsynthese.
Anämierisiko bei Schulkindern
In einer chinesischen Studie mit 1.725 Schulkindern wurde nachgewiesen, dass die Serumspiegel von Vitamin A, Vitamin D, Eisen und Ferritin mit dem Auftreten einer Anämie verbunden sind.
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